Alle Beiträge

Foto 1
Dr. Katharina Schlüter, Lulu MacDonald, Si-Ying Fung, Dr. Henning Görtz und Miriam Schmidt in der Galerie des Atelierhauses Wassermühle in Trittau.

Von Glasaalen und 2.500 Grußkarten

Mit zwei spannenden und sehenswerten Ausstellungen laden die Stiftungen der Sparkasse Holstein zu Beginn des Herbstes in die Galerie in der Wassermühle Trittau sowie das Atelierhaus Trittau ein. Landrat Dr. Henning Görtz eröffnete sowohl die Exhibition „Hearts of Glass“ der Künstlerin Si-Ying Fung als auch die Abschiedsausstellung „All my love, Lulu X“, mit der sich die Künstlerin Lulu MacDonald nach fünf Jahren von der Ateliergemeinschaft verabschiedet.

Cordula Eickmann

„Si-Ying Fung nimmt uns in ihrem Werk mit an einen Ort, der uns oft verborgen bleibt, die Tiefen des Wassers. Wann haben Sie zum letzten Mal über einen Aal nachgedacht, dessen Laichgebiete wir bis heute nicht kennen und der als Glasaal an der europäischen Atlantikküste ankommt. Tauchen Sie ein in diesen modernen Mythos und in die Welt aus Glas, Licht und Erinnerung, die Si-Yung Fung geschaffen hat.“ Die einführenden Worte von Dr. Katharina Schlüter, Geschäftsführerin der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn, verdeutlichten, dass man mit dem Besuch der Ausstellung „Hearts of Glass“ von Si-Ying Fung Neuland betreten würde.

Foto 2
Überdimensional, filigran und geheimnisvoll: Si-Ying Fung mit ihrem Glasaal.

Eine große fragile und fast durchsichtig wirkende Installation füllt einen der Räume in der Galerie der Wassermühle Trittau. Nahezu unsichtbar scheint der riesige, aus Polyethylen geschaffene Aal, der sich durch die Luft schlängelt. In Wirklichkeit viel kleiner, landet er als winziger Glasaal nach der langen Reise durch den Atlantik in Europa an und wird spätestens mit dieser Ankunft als europäischer Aal bezeichnet. Dabei weiß bis heute niemand, wo die Tiere laichen und wie der geheimnisvolle Lebenszyklus der Aale genau abläuft. Von solchen wissenschaftlichen Leerstellen und mythischen Erzählungen handelt die Ausstellung „Hearts of Glass“. Si-Ying Fung verbindet Glas, Keramik und Installationen zu einer poetischen Auseinandersetzung mit Natur, Erinnerung und den Geschichten, mit denen Menschen den Wert von Tieren und Landschaften bestimmen. Im Mittelpunkt steht dabei weniger der Aal selbst als die Bedeutung, die wir ihm verleihen. An den Wänden der Galerie hängen kleine Glasarbeiten, die mit ihrer Transparenz und ihren feinen Ritzungen das Unsichtbare sichtbar machen – Spuren von Wanderung, Verlust und Veränderung. Die zentrale Frage der Ausstellung wird deutlich: Wie entsteht Bedeutung und was verschwindet, wenn wir die Welt in Kategorien wie nützlich, fremd oder invasiv einordnen. Wann wird ein Lebewesen zur Ressource, wann zur Bedrohung, wann zum schützenswerten Wesen?

Den fast unsichtbar wirkenden Glasarbeiten stehen robuste und deutlich sichtbare Keramikboxen in Grün- und Schlammtönen gegenüber, mal im Raum aufgebaut, mal an die Wände gelehnt. Diese „Keepers“, die als Transportkisten für Aale eingesetzt werden, zeigen das Präsente und Widerständige einer Geschichte. Beides zusammen, Glas und Keramik, lassen Räume für Zweifel, Erinnerung und neue Perspektiven und werden künstlerisch durch den in Dauerschleife gezeigten Film über die Ankunft der Glasaale am Atlantik ergänzt, deren Geburtsort uns aber weiterhin unbekannt bleibt.

Foto 6 trittau
Mit ihrer Live-Soundperformance nahm Lulu MacDonald die Zuschauer in den Bann.

Viel gedankliche Tiefe findet sich auch in der Ausstellung „All my Love, Lulu X“ der britischen Künstlerin Lulu Mac Donald in der Galerie der Wassermühle. Am Boden liegen 2.500 Grußkarten kreuz und quer und überall auf dem Boden. Fünf Jahre lang hat die Künstlerin diese Grußkarten, die aus dem Nachlass eines Geschäftes stammen, täglich beschrieben und damit die Dauer ihres Aufenthaltes im Atelierhaus der Wassermühle in ganz besonderer Form dokumentiert. Diese Grußkarten als „alltäglicher Gegenstand, eigentlich für persönliche Botschaften gedacht, erhält hier eine neue, künstlerische Verwendung, Aus etwas Übriggebliebenem wird etwas Bedeutungsvolles“, unterstreicht Miriam Schmidt, Referentin der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn, das Besondere am Werk von Lulu MacDonald. Dabei fragt die Künstlerin nicht nur nach der Bedeutung von Grußkarten an sich, die in unserer digitalen Welt immer seltener werden – wer nimmt sich heute noch Zeit, in Gedanken an einen anderen Menschen ein paar liebevolle Worte auf eine Karte zu schreiben, diese zu frankieren und abzuschicken – sondern stellt ihre Arbeit in einen größeren Kontext. Persönliche Geschichten, Erinnerungen, Gemeinschaft, Zugehörigkeit und die Beziehungen untereinander sind die Themen, die LuluMacDonald in ihren Installationen, Skulpturen und in ihrem Schreiben zu vielfältigen Geschichten verbindet und dabei untersucht, wie persönliche Erfahrungen kollektive Bedeutung annehmen kann und auf welche Weise Bewegung und Wandel zu Veränderung von Bedeutung führen kann.

Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung waren denn auch eingeladen, die Grußkarten in die Hand zu nehmen, sie zu lesen und auch mitzunehmen, um sie weiter zu verschenken oder an die eigene Pinnwand zu hängen und wurden damit zu Mitwirkenden des anregenden Werkes. Mit einer Live-Soundperformance, in der Freundin Nora Strömer mit einem Laubbläser die Grußkarten durch den Raum pustete und in alle Himmelsrichtungen wirbeln ließ, verdeutlichte Lulu MacDonald den Ansatz ihrer Arbeit und verabschiedete sich auf wunderschöne und emotional sehr nahe gehende Weise von ihrer Zeit in Trittau. 

Wer die Ausstellungen „Hearts of Glass“ und „All my love, Lulu X“ der beiden international bekannten jungen Künstlerinnen Si-Ying Fung und Lulu MacDonald erleben möchten, hat dazu noch bis zum 13. Dezember 2026 jeweils Samstag und Sonntag von 11-17 Uhr Gelegenheit. Alle weiteren Infos finden sich unter www.galerie-wassermühle-trittau.de oder unter www.stiftungen-sparkasse-holstein.de.

Feedback & Soziale Netzwerke

Das Community Magazin lebt von eurer Beteiligung. Wir freuen uns über jedes Feedback. Teilt unsere Inhalte mit euren Freunden!

 

Zum Feedback-Formular

Auf Facebook teilen