Der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten und wegzureden, seit Jahrzehnten sterben zahlreiche Tier- und Pflanzenarten aus und unsere Natur verändert sich rapide. Die aktuelle Herbstausstellung der Stiftung Herzogtum Lauenburg „NATUR – WAS NUN?“ im Stadthauptmannshof in Mölln mit Werken von sechs Künstlerinnen und Künstler aus dem Landkreis thematisiert diese Entwicklung auf vielfältige Weise. Kuratiert von Antje Ladiges Specht präsentiert sich den Besuchern ein Blick auf unser Verhältnis zur Natur und verdeutlicht, wie existentiell Flora und Fauna zum Weiterleben auf unserer Erde sind und wie gefährdet zugleich unsere natürliche Lebensgrundlage ist.
„Die Kunst schöpft viele ihrer Inspirationen, Formen und Farben aus der Natur. Seit Jahrhunderten beschäftigen sich Künstlerinnen und Künstler mit der Natur, mit ihrer Ästhetik, ihrer Schönheit und Kraft. Heute nutzen Künstler ihre Werke, um auf ökologische Fragestellungen und Probleme aufmerksam zu machen. Kunst kann ein Spiegel unserer Umwelt sein und steht im umfassenden Sinne gegen die KI, ja auch gegen die latent zunehmende Intoleranz unserer Gesellschaft.“ In seinen einführenden Worten auf der Vernissage zur Ausstellung „NATUR – WAS NUN?“ zeigte Kreispräsident a.D. Meinhard Füllner und selbst ausstellender Künstler auf, was viele Menschen immer stärker beunruhigt und beschäftigt: Natur contra Fortschritt, Klimawandel, die Bedrohung durch KI, der Wegfall unserer natürlichen Ressourcen und die zunehmende Verrohung unserer Gesellschaft auf politischer und sozialer Ebene.
Beim Eintreten in das Foyer des Stadthauptmannshofes werden die Besucher von einer überdimensional großen Narzisse begrüßt, wie es sie in der Natur nicht gibt. Mit seiner Skulptur will Meinhard Füllner einen Anreiz zur Diskussion geben. „Wenn die Natur nicht mehr weiter weiß, kommt die Kunst …?“ Aus Formbauvlies in Verbindung mit Polyester hat der bildende Künstler eine 3,50 Meter riesige Blume geschaffen, die sowohl beeindruckt als auch ihre Künstlichkeit zum Ausdruck bringt. Auch seine großflächige Installation, in der auf verbrannter Erde ein ganzes Feld zarter Tulpen der Tierwelt eine Chance zum Überleben geben will, besticht durch ihr Ausmaß und Eindringlichkeit. Kompakt und ihre ureigenste Form und Bewegung darstellend finden sich weitere plastische Arbeiten des Künstlers in der Ausstellung, die er aus Stahl, Ton, Holz und Acrylglas gefertigt hat: Krähende Hähne, mächtige Stiere und in ihrer Eleganz anmutig springende Delfine.
Rund um die gigantische Blumenskulptur hängen im Foyer die großformatigen Tierporträts von Florentine Kunze-Wolff. Fotorealistisch und mit gestochen scharfem Blick für Anatomie und Fellstruktur malt sie Rehe, Schafe, Hasen, Füchse, Krebse, Tiger und beginnt jedes ihrer Bilder mit dem Blick des Tieres. Ihre Werke sind für sie „Gegenüberstellungen zwischen einzigartigem Lebewesen, gewisser besonderer Typen und dem Betrachter, der diese wahrnehmen und auf sich wirken lassen kann. Die Tiere strahlen Energie und Dynamik in Bewegung, aber auch Vitalität, Kraft und Lebendigkeit im Ruhezustand aus“, erläutert sie ihre Porträts. Dabei lädt die Tiermalerin die Besucher der Ausstellung ein, genau hinzusehen – „denn wer die Anatomie eines Tieres wirklich studiert, seinen Charakter erkennt und seine Bewegung nachvollzieht, kann es nicht mehr nur als Symbol oder Fläche betrachten. Er begegnet ihm.“ Mit jedem einzelnen ihrer großartigen Bilder, die sie mit einem lebendigen und energiegeladenen Pinselstrich schafft und in der hyper-reale Nähe auf malerische Freiheit trifft, zeigt Florentine Kunze-Wolff auf, was einzigartig und schützenswert ist.
Ihre Werke heißen „Kompost“, „Streuschichten“, Epitaph für kleine Tiere“ und „Rettungshütte“ und zeigen die Schönheit der Natur ebenso wie ihre Fragilität und ihren Zerfall. Olga B. Runschke malt und zeichnet auf langen Bahnen und transparenten Papieren Kleinstlebewesen, Pflanzenreste, Würmer, Pilze und Insekten. Seit der Beobachtung des Umwandlungsprozesses eines umgestürzten Baumes samt Wurzelwerk im Sirksfelder Wald vor zehn Jahren begann ihr besonderes Interesse an dem verborgenen Geschehen auf und in unserem Erdboden, das sie in ihrer Kunst ausdrückt. Dabei wechselt die Malerin zwischen Abstraktion und natürlichen Formen. In ihrer Mikromalerei lädt sie zu genauem Hinsehen ein, während ihre größeren Arbeiten auch aus der Ferne ihre Wirkung entfalten. „Die große Freude und Verbundenheit mit der Natur und das Erschrecken über die rasant fortschreitende Zerstörung der Lebensgrundlagen auf unserem Planeten bedingen hauptsächlich den Themenkontext meiner künstlerischen Arbeit“, erklärt Olga B. Runschke.
Die apokalyptische Vernichtung unserer Natur ist auch das zentrale Thema in den Werken von Hilli Mann in der Ausstellung „NATUR – WAS NUN?“ Unter dem Titel „Endliche Ewigkeit“ weist die Künstlerin, die mit ihren selbst eingefärbten und in lange Streifen gerissenem japanischen Washi-Papier arbeitet, in ihren in schwarz-weiß gehaltenen Reliefs auf den Rückgang unserer Gletscher hin. „Wir zerstören unsere Gletscher, die unsere Lebensgrundlage sind. Als Kind bin ich immer mit meinen Eltern zum Großglockner gefahren. Nun wird der größte Gletscher Österreichs, die Pasterze, in seine Einzelteile zerfallen und für immer verschwinden“, gibt sie voller Sorge zu Bedenken und fügt hinzu: „Eine Besucherin sagte zu meiner Arbeit hier, dass diese so zart aussähen, aber in Wirklichkeit ist es eine riesengroße Katastrophe“, so Hilli Mann.
Ebenfalls zu sehen in der Ausstellung sind Werke der Nachwuchskünstlerin Yanxi Ding, die in ihrer Kunst ihre Schockiertheit darüber zum Ausdruck bringt, wie einfach man das Naheliegende übersehen kann sowie die nachdenklich stimmenden und in ihrer Groteske bedrückenden Zeichnungen und Grafiken von A. Paul Weber, einer Leihgabe des A. Paul Weber Museums in Ratzeburg. Der Meister der satirischen Grafik hatte schon lange vor der Umweltbewegung vor der Vernichtung unserer natürlichen Lebensgrundlagen und damit der Auslöschung der Menschheit gewarnt hat.
Die von der Stiftung Herzogtum Lauenburg veranstaltete und von der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg unterstützte Ausstellung „NATUR – WAS NUN?“ im Stadthauptmannshof in Mölln in der Hauptstraße 150 ist noch bis zum 25. Oktober 2026 jeweils Samstag und Sonntag von 13 Uhr bis 17 Uhr geöffnet sowie in der Kulturnacht am 2. Oktober 2026 von 18 Uhr bis 23 Uhr. Der Eintritt ist frei. Alle weiteren Informationen finden sich auf der Homepage www.stiftung-herzogtum.de.
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