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Sophia druckt mit der alten Presse ihren Namen.

Ein Ausflug in alte Gewerke und frühere Lebensformen: Das Museum „Vergessene Arbeit“ in Steinhorst

Seit 2005 existiert in einem Stroh- und Futterlager des ehemaligen Kuhstalls einer Kreisdomäne des Landkreises Herzogtum-Lauenburg in der Gemeinde Steinhorst das Museum „Vergessene Arbeit“. Auf einer Fläche von 1800 Quadratmetern ist in dem denkmalgeschützten Gebäude eine umfangreiche Sammlung restaurierter Geräte und Maschinen aus Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Hauswirtschaft und den unterschiedlichsten Handwerken verschiedener Epochen zu sehen. StormUnity begleitete eine Schulklasse bei ihrem Besuch im Museum, dass von der Bezirksgruppe Steinhorst/Sandesneben des Heimatbundes und Geschichtsvereines Herzogtum Lauenburg e.V. ins Leben gerufen wurde.

Cordula Eickmann

Was bedeutet schmieden? Wofür brauchte man früher eine Kutsche? Was wird im Fliegenschrank aufbewahrt? Nenne je eine Maschine zum Pflügen, zum Heu machen und zum Dreschen. Mit einem kleinen Aufgabenheft und Stationskarten in den Händen machen sich die Kinder einer 3. Schulklasse aus Hamburg in Kleingruppen auf den Weg zur Erkundung des Museums „Vergessene Arbeit“. Im Krämerladen, in der Schmiede, beim Bürstenbinder, im Hauswirtschaftsbereich, in der Schulstube und der Apotheke warten die ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Museums auf die Jungen und Mädchen, um ihnen Alltags- und Arbeitswelten zu zeigen, die vielleicht noch die eigenen Groß- und Urgroßeltern kannten und für viele junge Menschen längst in Vergessenheit geraten sind.

„Ich habe heute zum ersten Mal gedruckt, mit Lettern und Druckerschwärze und jetzt ist mein Name hier auf diesem Papier. Bisher habe ich nur mal auf einer Schreibmaschine getippt“, erzählt Sophia begeistert. Mit ihrer Kleingruppe erfährt sie von Holger Brix, der 1958 seine Lehre zum Schriftsetzer begonnen hatte, wie das Drucken entstanden ist und welche Bedeutung der Buchdruck für die Menschen hatte. Wenige Meter weiter erfahren Henrik, Theodor, Nikolai und Milas, wie früher getaucht wurde. Dieter Herbst, pensionierter Berufstaucher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg und Geesthacht, hilft Theodor beim Aufsetzen der schweren Taucherglocke und beim Anziehen des Bleistiefels. Die Jungen sind beeindruckt von dieser schweren Ausrüstung und bestaunen viele Fotografien von Tauchgängen in vergangenen Zeiten.

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Im Krämerlädchen lernt Fidan, wie man Kaffee auf der alten Waage abwiegt.

Im prall gefüllten Kolonialwarenladen gibt es nichts, was es nicht gibt, so kommt dem Kunden diese Welt voller Lebensmittel und Haushaltswaren vor. Vom Boden bis zur Decke und im großen Verkaufstresen finden sich Dauerlutscher, Taschenmesser, Schnürsenkel und Schuhcreme, Seile und Seifen, Kaffee, Salpeter, Bürsten und Zwirn, Zigarren und Tauschbildchen und lose in großen Schüben Erbsen, Linsen, Reis und vieles mehr. Adelia, Elise und Fidan spielen eine Verkaufssituation durch. Neben Bonbons und einem kleinen Spielzeug für das eigene Kind steht Kaffee auf dem Einkaufszettel von Adelia. Mit Hilfe von Ingeborg Semprich, die den Krämerladen im Museum betreut, wiegt Fidan Kaffeemehl auf der alten Waage ab. Zum Kassieren benutzt sie die große Registrierkasse, in der jeder Betrag noch einzeln eingegeben werden muss. Ein dreimaliges Drehen der Kurbel, dann springt die Lade der Kasse auf. Beim Hinaustreten aus dem Laden bimmelt das Türglöckchen.

„Wir haben im Unterricht die alten Gewerke besprochen und auch unseren Acker bestellt, auf dem wir bald ernten können. Hier im Museum kann das Handwerkliche noch einmal erfahrbar gemacht werden. Die Kinder dürfen Vieles ausprobieren. Es ist schön, dass sich die Leute hier Zeit für die Kinder nehmen. Ins Museum zu gehen ist ein kulturelles Gut“, fasst die Klassenlehrerin den Besuch in Steinhorst zusammen. Jeden Mittwoch stehen die rund 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Wechsel bereit, um Schulklassen erlebnisorientiert durch die Ausstellung zu führen und sie in den einzelnen Abteilungen an den Gerätschaften zu begleiten oder ganze Szenen wie im Krämerladen oder im alten Schulzimmer durchzuspielen. Vom Landesarchiv zusammengestellte Kurzfilme, die in Dauerschleife laufen, zeigen überdies Ausschnitte aus dem handwerklichen und ländlichen Arbeitsleben, wie zum Beispiel das Mähen mit der Sense, das Binden von Gaben und die Heuernte per Hand.

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Rudolf Holst zeigt Janosch, wie man den großen Schmiedehammer hält.

„Von vielen Kindern bekommen wir kleine Berichte zugeschickt, in denen die Jungen und Mädchen von diesem Museumserlebnis schreiben und darin festhalten, dass ein solcher Besuch gar nicht langweilig, sondern richtig toll ist“, weiß Museumsleiter Paul Petersen. Er ist stolz auf die Aktivitäten seiner Mithelfer, die viel Zeit und Engagement für den Aufbau des Museums und seine ständige Erweiterung aufbringen. „Alle von uns sind Spezialisten auf ihren Gebieten und alles kann repariert und wieder gangbar gemacht werden. Zudem sind wir auch sozial tätig, denn viele unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen leben allein und sind durch die Arbeit hier im Museum regelrecht aufgeblüht“, erzählt der Agrarökonom und Landwirt und betont, dass im Museum „Vergessene Arbeit“ unser Kulturgut gezeigt wird. „Den Eisenwarenladen kenne ich noch aus meiner Jugend in Mölln. Er ist vor 25 Jahren mit seiner ganzen Einrichtung ins Museum gekommen. Wir zeigen hier Lebensgeschichte“, so Paul Petersen. Das Museum „Vergessene Arbeit“ wurde für die diesjährige Vergabe des Kulturpreises der Stiftung Herzogtum Lauenburg vorgeschlagen. Nun heißt es Daumen drücken, dass Paul Petersen und seine gesamte Crew die besondere Auszeichnung für ihren unermüdlichen Einsatz seit über zwanzig Jahren erhalten.

Alle Informationen zu den Führungen für Schulklassen und weitere Aktivitäten des Museums sowie zu den Öffnungszeiten sind auf der Homepage www.museum-steinhorst.de aufgeführt.

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