Auch in diesem Jahr fanden in ganz Schleswig-Holstein und sogar in Dänemark die Sommerateliers der Landesverbände für angewandte und bildende Kunst (BAK, BBK und GEDOK) statt. In den offenen Ateliers zeigten mehr als 110 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke aus den Bereichen Metall, Keramik, Holz, Textil, Glas, Papier, Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie/Video, Objekt und Installation. Im Kreis Stormarn öffneten Uwe Greiß in Tralau und Angela Scherer-Kern in Tangstedt ihre Türen.
Uwe Greiß ist ein Meister der Fotografie. Überall in seinem Haus hängen Fotos, die meisten von ihnen mit Passepartouts hervorgehoben und gerahmt, in den Wohnräumen, in der Küche, im Treppenaufgang und sogar in der kleinen Toilette. Für die Sommerateliers 2026 hat er zahlreiche Fotos seiner letzten Serie ausgewählt, um den Besucherinnen und Besuchern einen Eindruck seiner Fotokunst zu präsentieren. Es sind verwelkende Tulpen, deren letzte Blütenblätter sich bereits eingedreht ihrem Betrachter zeigen. Schaut man sich diese Fotos an, könnte man fast schon das Herabfallen der allerletzten Blätter erahnen. „Tulip dying“ oder „Tulpentanz“ heißen seine Werke, deren Klarheit und Detailgenauigkeit ebenso beeindrucken wie ihre Farbenpracht. Von Weiß mit zarten rosa Streifen bis zu tiefstem, wie Samt wirkendem Weinrot reicht die Palette. „Diese Schönheit der Vergänglichkeit finde ich faszinierend. In der Natur entdecke ich viele meiner Motive. Ich suche sie nicht, ich finde sie und das, was mich anspricht, was ich wert finde, festgehalten zu werden, fotografiere ich“, erzählt Uwe Greiß.
Als Jugendlicher hat er angefangen zu fotografieren, noch heute, mit 85 Jahren, ist er leidenschaftlich dabei. „Als Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr habe ich aus dem Hubschrauber heraus fotografiert, später kamen berufsbedingt die Industrieaufnahmen hinzu, zum Beispiel Fotos von den Öl- und Gasförderprogrammen in der Nordsee, für die wir von England aus geflogen sind“, so Uwe Greiß. Auch den Gotthard-Tunnel hat er während der Bauphase fotografiert und in Tokio die Tunnelbohrungen für eine der umlaufenden Stadtautobahnen. Schweden, Polen, Island, Singapur, Marocco, Frankreich, Norwegen, Schottland und Fuerteventura sind nur einige der zahlreichen Länder und Regionen, die der Fotograf bereist hat. Immer dabei eine oder mehrere seiner Kameras. „Am Anfang hatte ich Laicas, eine Hasselblatt, später Nikons und im digitalen Zeitalter dann die Canon und auch die Fuji XT 5 mit höherer Auflösung. Aber ich habe auch schon eine Holzkamera gehabt und in Japan während eines Naturkunstsymposiums mit einer dort selbst gebauten Lochkamera gearbeitet. Im dortigen Labor habe ich beim Entwickeln und Fixieren Stäbchen benutzt“, erinnert er sich schmunzelnd.
Neben Motiven aus der Natur, die ihn oft aufgrund ihres scheinbar ganz Unscheinbaren fasziniert – „das Alles ist beachtenswert, Strukturen von Bäumen und Pflanzenfasern zum Beispiel, Oberflächen von Steinen und Felsen“ – finden sich auch „Seestücke“ unter seinen Werken oder fotografierte Störungsbilder auf dem ARTE-TV-Sender. „Da habe ich stundenlang vor dem Fernseher gesessen, als die Bildübertragung gestört war. Mit diesen Fotos, die stark verpixelt sind und hochinteressante Farbverläufe zeigen, habe ich schon mal eine ganze Ausstellung gemacht“, sagt Uwe Greiß. Und nicht nur diese Fotografien sehen wie Kunstwerke aus. Viele der Fotos wirken wie gemalt, oft impressionistisch, dann wieder dem Pointillismus ähnlich und fast allen liegen schöne, spannende und interessante Geschichten zugrunde, die, wenn Uwe Greiß sie erzählt, die Tiefe und Bedeutung der Bilder noch verstärken.
Seine Fotografien zeigen Eindrücke eines ganzen leidenschaftlichen Lebens für die Schönheiten der Natur, die Besonderheiten der uns immerzu umgebenden Räume im Innen und Außen. Die Aufnahmen aus vielen Jahrzehnten als beruflich Welt reisender Industriefotograf, die in eine oftmals unbekannte Welt aus Stahl, Kabeln und Beton einladen, will Uwe Greiß vielleicht irgendwann in einer großen Retrospektive zeigen. Das ist dann ein Termin, den man auf gar keinen Fall verpassen darf.
Im Südwesten Stormarns hatte Angela Scherer-Kern ihre Kunstwerke im Rahmen der Sommerateliers ausgestellt. „Meine Kunst hat viele Facetten, die die Kunst vorher so noch nie hatte. Ich habe diverse Techniken selbst entwickelt. In allen meinen Arbeiten finden sich Stücke von Rost, die ich schon mein ganzes Leben lang sammle und von denen ich fasziniert bin, da jedes Stück eine Geschichte erzählt. Meine Werke, größtenteils mit Acrylfarben und Lacken mit Metalleffekten sowie immer mit Roststücken und Metallteilchen geschaffen, zeigen ganz unterschiedliche Stilrichtungen“, erzählt die studierte Grafik-Designerin, die früher als Kinderbuchillustratorin und beim NDR als Grafikerin berufstätig war. „Mit 40 wollte ich großformatiger arbeiten und habe mich selbständig gemacht. In meinen Werken finden sich viele mythische Formen und Archaisches wie Kreise und Spiralen, vor allem aus der nordischen Welt, aber auch der Mikro- und Makrokosmos von der Zellstruktur bis hin zum Universum“, erläutert sie ihr Schaffen, bei dem sie neben den Pinseln auch Kochlöffel, Gabeln und Spachteln einsetzt und Metalltonnen mit dem Flammenwerfer behandelt. Ihre Werkserien heißen „METALLICON Fossil“, „METALLICON Decus“ oder „METALLICON Zen“ und versetzen den Betrachter in eine Welt, die an andere Zeitalter anknüpfen und doch auch heute noch gültig sind. Einige wirken wie Planeten im All, andere wie Fundstücke aus einem Wald, in dem alles noch so ist wie vor Tausenden von Jahren. Im Vorgarten steht ein großformatiges Bild, dass Angela Scherer-Kern digital verändert hat. Es zeigt die Wurzeln von Bäumen im Tangstedter Forst und wirkt vollkommen verwunschen in seiner Schönheit. Trolle und Kobolde könnten jeden Moment erscheinen und in ihre Welt einladen.
In ihrem Buch „Mensch“, dessen Geschichte sie selbst geschrieben hat, findet sich ihr Können in der Illustration wieder. Aufgebaut nach den Farben des Regenbogens durchziehen sich alle Töne von rot bis violett durch die Seiten und zeigen wunderschöne ornamenthafte Zeichnungen, die die Erzählung unterstreichen. Das Buch und viele andere mit ihrer Kunst bedruckte Artikel wie Becher, Taschen, Mousepads und Schalen verkauft Angela Scherer-Kern in ihrem Online Shop „lunArtis.de“. Auf der gleichnamigen Homepage der Künstlerin finden sich zahlreiche Beispiele ihrer einzigartigen Werke.
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