Nach dem großen Erfolg vom Vorjahr fand das Kreativ-Lese-Festival „Aufwind! – Kreative Brise für Stormarn“ zum zweiten Mal im Schloss Reinbek statt. Organisiert und durchgeführt vom Stabsbereich Kultur des Kreises Stormarn und den im Kreisgebiet lebenden Elbautor*innen präsentierten acht Schulklassen, was sie unter Anleitung der Kinder- und Jugendbuchautoren in ihren Workshops in Anlehnung an die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele erarbeitet hatten. Die vielfältigen Präsentationen aus den Bereichen Kunst, Literatur, Gestaltung, Musik, Film, Podcast und Theater wurden von allen Beteiligten ebenso wie vom zahlreich erschienen Publikum mit viel Applaus gewürdigt.
„In meiner Illutopie gibt es keine Kriege. – In meiner Illutopie verhungert niemand. – In meiner Illutopie kommt Energie aus der Natur. – In meiner Illutopie gibt es moderne Stadtbilder im Einklang mit der Natur.“ Die Schülerinnen und Schüler der 8b der Gemeinschaftsschule Reinbek tragen die Kernsätze ihrer Plakate vor, die sie gemeinsam mit Tobias Krjtschi von den Elbautoren in zwei Schulworkshops gebastelt haben. Die Botschaften der Jugendlichen sind klar und deutlich und zeigen die Wünsche der jungen Menschen für ihre Zukunft. Als Zuschauer fragt man sich, warum die Umsetzung dieser Illutopien, die doch die Sehnsüchte fast aller Menschen beinhalten und thematisch sämtlich in der UN-Agenda der 17 Nachhaltigkeitsziele enthalten sind, so schwierig ist.
Unter dem Titel „Demokratie und Vielfalt. Lasst uns leuchten!“ hat Yannick Maria Reimers mit der 7c der Theodor-Storm-Schule aus Bad Oldesloe ein „Demokratietheater“ inszeniert. Von Beleidigungen gedemütigt, gehen einige der Jungen und Mädchen auf der Bühne des Schlosssaales in gekrümmter Körperhaltung in die Knie und zu Boden. Als sie ein lautes und klares „Stopp“ rufen“, verändert sich alles: Statt fieser Bemerkungen gibt es nun Komplimente und die eben noch deprimierten Klassenkameraden*innen richten sich wieder auf und strahlen schließlich Selbstbewusstsein und Freude aus. „Dieser Workshop war unglaublich“, erzählt Klassenlehrerin Kerrin Reinhardt nach der Aufführung. „Wir haben initiiert von Yannick über Selbstwert, Ego und Identität gesprochen. Die Vielfalt in Bezug auf Geschlechtszugehörigkeit, Religion oder Kultur, die in diesem kurzen Theaterstück steckt, leben wir jeden Tag in der Schule. Unser Dank geht an die Elbautorin, dass sie mit uns auf diese Reise gegangen ist.“
Ameisen, Asseln und Käfern auf der Spur waren die Kinder der Klasse 3a der Grundschule Wiesenfeld in Glinde. Das Nachhaltigkeitsziel „Leben an Land“ und hier ganz besonders die Insekten waren Thema des Workshops unter der Leitung von Elbautor Birk Grüling. „Wir wollen die Tiere schützen“ – so die eindeutige Botschaft der jungen Naturforscher. Nach einer ersten Insektensuche wurden 103 Saatbomben und zehn Insektenhotels gebaut, die nun auf dem Schulgelände oder in den Gärten der Elternhäuser den Fortbestand der so wichtigen kleinen Tiere sichern sollen. Auch ein Interview mit einem NABU-Experten, in dessen Vorfeld sich die Jungen und Mädchen selbst Fragen überlegt hatten, stand auf dem Programm.
In „Superheld*innen gesucht“ hatten sich die Schülerinnen und Schüler der 3b aus der Grundschule Hamberge während ihres Workshops verwandelt. Gemeinsam mit Elbautorin Katharina Mauder absolvierten sie verschiedene Level, in denen kleine und große Superkräfte entdeckt und entwickelt sowie haufenweise Komplimente vergeben wurden. „Cooligkeit“, „Gute Spielideen-Superkraft“ oder „Du bist Geduld!“, waren nur einige der zahlreichen tollen Kräfte, für die am Ende des Workshops Superdetektivausweise vergeben wurden.
Die Baumzauberfrottagen und Kurzgeschichten, vorgetragen von Schüler*innen der Förderklasse 5-7 der Amelie-Sieveking-Schule in Reinbek fanden ebenso viel Anerkennung wie die Plakate der Hundeklasse aus der Grundschule am Schloss in Ahrensburg zum Motto „Das brauchen wir!“ sowie das Lied „Seid bereit! Für diese Zeit“ vom Workshop „Zusammen sind wir stark“ des Schülerrates der Johannes-Gutenberg-Schule in Bargteheide. Zum Abschluss der Präsentationen zeigte die Klasse 9a der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule in Ahrensburg fünf Kurzfilme zum Thema „Die Mauer in unseren Köpfen“. Elbautorin Maike Dugaro hatte mit den Jugendlichen basierend auf ihrem Jugendroman „Mauerpost“ zum Thema Ängste und Blockaden gearbeitet. „Die Schülerinnen und Schüler kamen in einen solchen Flow, dass sie gar keine Erwachsenen mehr brauchten“, so Maike Dugaro. Das Credo „Man kann alles schaffen, wenn man die Mauern in seinem Kopf überwindet“ hallte noch lange nach.
„Das war ein richtig cooles Projekt und wir haben etwas für die Umwelt getan“, erzählt Leni von der Johannes-Gutenberg-Schule in Bargteheide, die zusammen mit ihrer Mutter Carolin Bartels beim Festival ist. „Die Kinder haben im Workshop schöne Sachen gemacht und tolle Ideen entwickelt. Und sie haben dadurch weniger am Handy oder am Computer gesessen“, so Lenis Mutter.
Tanita, Frieda, Valentin und Friedrich, die wie ihre Mitschüler*innen der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule viel Beifall für ihre Kurzfilme entgegennehmen konnten, haben sowohl der Workshop als auch die Präsentation viel Spaß gemacht. „Wir haben viel übereinander gelernt und sind aus unserer Komfortzone herausgekommen“, berichtet Tanita. „Zudem haben wir eine Menge über das Filme drehen kennengelernt, vom Schneiden bis zu den Fragen von Perspektive und Kamerawinkel“, ergänzt Friedrich.
Auch die Pausenangebote wie der Upcycling Workshop „Bunte Bäume“, das „Beebot steuern“ mit der Stadtbibliothek Reinbek, das Austesten einer Klimawaage mit dem Klimaschutzmanagement Reinbek, das Basteln und Malen für die Kleinen oder das Infoangebot des Kreises Stormarn zu Fragen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung kamen gut bei den zahlreichen Besuchern und Besucherinnen an.
Kreiskulturreferentin Tanja Lütje zeigte sich begeistert von dem zweiten „Aufwind-Festival“: „Es ist heute wie auch schon im letzten Jahr gut aufgegangen im Kontext der Schulen und während des Festivals hier im Schloss. Die Schulen zeigen ihre Arbeiten in der Öffentlichkeit und die Schülerinnen und Schüler erleben einen größeren Kulturraum. Wir bedanken uns bei allen, die dieses kreative Projekt ein weiteres Mal mit so viel Engagement möglich gemacht haben, den Kindern und Jugendlichen, den Schulen, der Sparkassen-Stiftung Holstein für die finanzielle Unterstützung und den Elbautorinnen und Elbautoren.“
Wer sich für die Elbautorinnen und Elbautoren interessiert, findet unter www.elbautoren.de alle Mitglieder sowie Informationen über die Kinder- und Jugendbücher der Gruppe und ihre Aktivitäten wie Schulworkshops, Lesungen und andere Projekte.
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