Kunst im öffentlichen Raum

Reinfeld 02 Weiland Elemente Stormarn c JensRoennau IMG 9747

Variable Elemente

Georg Weiland: Reinfeld

Der knorrige Baum will irgendwie gut passen zu den knorpeligen Betongebilden. Sie stehen da im Schutz des Blätterdachs wie eine Gruppe von Menschen - genau dies hatte der Bildhauer Georg Weiland gedacht, der die drei Betonobjekte um 1974/75 dort installierte. Es war ein Kunst am Bau-Projekt, geschaffen anlässlich des Neubaus der Sporthalle für die Matthias-Claudius-Schule.

Beschreibung

Jede Stele besteht aus mehreren Quaderblöcken, die wie Bauklötze aufeinander gestapelt zu sein scheinen - einmal sind es drei Blöcke, einmal vier und einmal fünf.  Jeder der Blöcke ist vorn anders gestaltet. Sie haben Löcher, konvexe oder konkave Wölbungen und Ausstülpungen, zuweilen eine plastische Dreiecksform. Auf diese Weise wirkt jeder Quader wie eine Chiffre, die etwas Bestimmtes bedeuten könnte. "Variable Elemente" nannte Weiland sein Reinfelder Werk. Dass der Volksmund sie bald zu "Frikadellenbergen" erkläre, soll den Künstler köstlich amüsiert haben. Der Beton als Kunst-Material war eine Spezialität von Georg Weiland, die er bei zahlreichen Kunst am Bau-Projekten vor allem in Schleswig-Holstein angewendet hat: für tonnenschwere Großplastiken, Reliefs wie auch für Platzgestaltungen. Dazu fertigte er Modellformen, die dann von Baufachfirmen ausgegossen wurden. Es ist ein heller, feiner Spezialbeton, der so gut gemacht ist, dass er in Reinfeld  fast unbeschadet 40 Jahre bei Wind und Wetter überstanden hat. Die Turnhalle indes, für welche diese "Menschengruppe" einst gemacht war, ist längst verschwunden. Geblieben sind jene "Menschen" aus Beton und die dicke Buche, die einst zusammen mit der Errichtung des Kunstwerks als junger Baum gepflanzt worden war.

Reinfeld 02 Weiland Elemente Stormarn c JensRoennau IMG 9747
KioeR 2018 Reinfeld 1

Georg Weiland

Wurde 1928 im mecklenburgischen Blowatz geboren. Er studierte 1953 bis 1958 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg Malerei und Grafik bei Alfred Mahlau sowie Keramik bei Otto Lindig. Ab 1959 betrieb er ein Atelier in Lübeck, hatte 1977 bis 1979 einen Lehrauftrag an der Kieler Muthesius-Schule in der Koblasa-Bildhauerklasse. Er war auch als Zeichner und Grafiker aktiv und gestaltete Münzen. Eine Krankheit ließ ihn um 1980 seine künstlerische Arbeit aufgeben. Georg Weiland starb 1999 in Reinfeld, wo er auch lange gelebt hatte.

Matthias-Claudius-Schule
Ahrensböker Straße
23858 Reinfeld

Standort

Matthias-Claudius-Schule

Ahrensböker Straße
23858 Reinfeld

Radrundtour

Das Kunstwerk liegt an oder in der Nähe der Radrundroute 4: https://tourismus-stormarn.de/de/radrundtouren/durch-huegelland-und-traveniederung-32

Beton, Stahl, 1974/75. Reinfeld, Ahrensböker Str. / Matthias-Claudius-Schule.

Quelle: Archivmaterial der Stadt Reinfeld. Jens Rönnau, Kunst am Wegesrand, Nr. 97, Neustadt, Georg Weiland, "Kommunizierende Gruppe", Kieler Nachrichten v. 3.8.2012. Telefonat Jens Rönnau mit Caspar Weiland am 6.10.2016. Telefonat und e-Mail-Wechsel Jens Rönnau mit Anja Rademacher vom 10.10.2016.

Text/Fotos Jens Rönnau