Kunst im öffentlichen Raum

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Miteinander oder aneinander vorbei

Thomas Darboven: Reinbek

In einem Winkel der historischen Parkanlage des Reinbeker Schlossgartens finden sich drei Kunstwerke aus verschiedenen Materialien, die aber eine gemeinsame Handschrift erkennen lassen. Es sind abstrakte Objekte, die an geometrische Formen oder schräg geschnittene Fruchtstücke erinnern. Alle haben glatte Oberflächen. Es sind Werke des Hamburger Bildhauers Thomas Darboven, die er dort nacheinander installierte im Rahmen der jährlichen Ausstellung "Kunstwerk - Werkkunst", die das Ehepaar Normann und Bärbel Müller-Rousseau seit Jahrzehnten ausrichtet.

Beschreibung

Das erste Objekt, das Darboven im Sommer 1996 dort platzierte, war "Eris", eine Stahlplastik aus zwei gegeneinander versetzten Halbkugelsegmenten. Man könnte meinen, die eine bäume sich über die andere auf - was der formalen Idee des Künstlers entsprechen würde, denn er nennt sein Werk nach der griechischen Göttin des Streits. Dass Betrachter es lieber "Paar" nennen, stört ihn nicht - zumal es in einer Paarbeziehung bekanntermaßen auch zu Streitigkeiten kommen kann. In diesem Sinne gesellte er ein Jahr später seine steinerne Skulptur "Miteinander oder aneinander vorbei" hinzu, die ebenfalls das Paarthema behandelt und aus glattgeschliffenem rötlichen Granit besteht. 1998 schließlich ließ der Künstler es Nacht werden über jenen Paaren, indem er am Ende der Reihe seine "La Nuit" hinzugesellte, die er aus dunklem Granit geschaffen hatte. Auch hier bilden Kugelviertel die Grundform, die jedoch sanft abgerundet sind - als Sinnbild vielleicht für die alles umschließende Nacht.

Darboven hatte sich seinerzeit bewusst das Randstück des Schlossgartens seitlich einer Teichanlage für seine Arbeiten gewählt, um diesen Teil des Gartens etwas mehr zu betonen. Im Einvernehmen mit der Stadt Reinbek sind sie dort bis heute als Dauerleihgabe des Künstler verblieben -  bis er sie verkauft hat oder sich vielleicht ein edler Sponsor für diesen Ort gefunden hat.

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KioeR 2018 Reinbek 33

Thomas Darboven

Er wurde 1936 in Hamburg geboren, studierte 1959 bis 1967 Bildhauerei an der Berliner Hochschule für Bildende Künste bei Paul Dierkes und Hans Uhlmann. Die Wahl des Hamburgers fiel auf Berlin, weil er die abstrakte Bildhauerei erlernen wollte, was im Hamburg damals so nicht möglich war. 1976 siedelte Darboven wieder vollständig nach Hamburg über, wo er zahlreiche Kunst-am-Bau-Wettbewerbe gewann, etwa das Brahms-Denkmal und auch als Architekt tätig wurde. Die Gestaltungen des Brahmsplatzes wie des Eidelstedter Marktplatzes stammen ebenfalls von Darboven.

Schlosspark
Schlossstraße 5
23858 Reinbek

Standort

Schlosspark

Schlossstraße 5
23858 Reinbek

Radrundtour

Das Kunstwerk liegt an oder in der Nähe der Radrundroute 22: https://tourismus-stormarn.de/de/radrundtouren/rund-ums-billetal-45

Colombo-Granit, um 1995, "Eris", Cortenstahl, um 1988, "La Nuit ", Impala-Granit, um 1988. Schlosspark, Reinbek.

Quelle: Akten der Stadt Reinbek. Telefonat Jens Rönnau mit Thomas Darboven am 4.10.2016. Telefonate Jens Rönnau mit Bärbel Müller-Rousseau am 5. und 6.10.2016. Hanna Kastendieck, Thomas Darboven, der vergessene Künstler, in Hamburger Abendblatt, 28.12.2002.

(c) Text/Fotos Jens Rönnau