Kunst im öffentlichen Raum

Glinde 04 Wehberg Anton Ballwerfer Stormarn c JensRoennau IMG 2111

Ballwerfer

Frauke Wehberg & York Anton: Glinde

"Wow, der sitzt!", könnten hier jetzt Werfer und Zuschauer denken: Ein kräftiger Wurf hat einen Ball hoch an die Wand der Sporthalle befördert - nur runter kommt er nicht wieder. Wer in das Gesicht des bronzenen Sportlers blickt, wird ihm dessen eigene Überraschung anmerken, denn es sagt so viel wie "Huch, was hab ich da gemacht?".

Beschreibung

Der etwas bedeppert dreinblickende Mann mit Baseballcap ist in eben diesem Zustand gedacht von der Bildhauerin Frauke Wehberg, die dieses ironische Kunstwerk 1980 anlässlich des Neubaus der Glinder Sporthalle gemeinsam mit ihrem Künstlerkollegen York Anton geplant hatte. Dazu gehörte auch der Einbezug der Sporthallenwand und die Bodengestaltung, denn der Sportler steht auf einem zweistufigen schrägen Podest, das nach vorn abfällt, als sollen hier die Gleichgewichtseben verschoben werden - oder sinnbildlich, als würde dem jungen Mann wegen seines überraschend in der Wand hängenden Balls der Boden unter den Füßen wegsacken. Aber irgendwie scheint er ohnehin schon etwas durcheinander gewesen zu sein, denn seine Sportkleidung mit Handschuh, Gelenkschützern und umgehängtem Handtuch ist doch eher ungewöhnlich: "Ich hab versucht, nicht nur einen Ballwerfer zu machen, er trägt Accessoirs verschiedener Sportarten", erklärt Frauke Wehberg, die vor allem für die Einzelgestaltung und den Bronzeguß zuständig war, während York Anton die Gesamtidee mit ihr fand und auch das notwendige Wettbewerbsmodell baute. Der seltsame Blick des Jungen hat aber auch die Glinder Bürger irritiert - viel mehr wohl, als der oben hängende Ball. So hat man ihn als "Neandertaler" bezeichnet, andere gaben ihm den Spitznamen "Ali", was von vielen Schülerinnen und Schülern  gern übernommen worden sein soll.

Glinde 04 Wehberg Anton Ballwerfer Stormarn c JensRoennau IMG 2111
KioeR 2018 Glinde 43

Frauke Wehberg & York Anton

Frauke Wehberg

wurde 1940 in Hamburg geboren, besuchte dort 1956 − 1958 die Meisterschule für Mode. 1958 − 1963 studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg bei den Malern Georg Gresko und Theo Garve sowie dem Typographen Richard von Sichowski. Sie entwarf oft Kunstwerke im Rahmen von Platzgestaltungen des Landschaftsplaners und Architekten Hinnerk Wehberg, arbeitete aber auch viel mit York Anton zusammen. Ihre Plastiken sind meist volkstümlich, wie die „Gänsemagd“ in Neumünster oder die Bürgermeisterfigur des Asmus Bremer in Kiel. Wehberg lebt in Hamfelde bei Schwarzenbek, jetzt der Lehre des Tai Chi zugewandt.

York Anton

wurde 1940 in Dortmund geboren, wo er 1959 bis 1962 an der Werkkunstschule für freie und angewandte Grafik studierte, 1962 - 1967 freie Malerei an der Hochschule für bildende Künste in Kassel bei Arnold Bode. Mit Bode war er an der Gestaltung der ersten documenta in Kassel und der Weltausstellung in Montreal beteiligt. Bis 1971 arbeitete er an Film- und Werbeproduktionen. Als Maler und Bildhauer beteiligte er sich an vielen Projekten zur Kunst am Bau, besonders im Hamburger Hanseviertel, auch für Schulen und Kirchen, einiges gemeinsam mit Frauke Wehberg. York Anton starb 2000 in Paris.

Sporthalle im Schulzentrum
Oher Weg 24
21509 Glinde

Standort

Sporthalle im Schulzentrum

Oher Weg 24
21509 Glinde

Radrundtour

Das Kunstwerk liegt an oder in der Nähe der Radrundroute 21: https://tourismus-stormarn.de/de/radrundtouren/an-beken-und-auen-bis-in-den-sachsenwald-6

Ballwerfer, Bronze, Beton, Stahlblech, 1982. Sporthalle im Schulzentrum, Oher Weg 24, Glinde.

Quelle: Akten der Stadt Glinde. Bergedorfer Zeitung, 19. Mai 1980. Jens Rönnau, Open Air Galerie Kiel, Kunst und Denkmäler, Neumünster 2011, S. 288. Hans-Peter Busch in Stadtmarketing Glinde, Sehenswürdigkeiten, http://www.stadtmarketing-glinde.de/k-swk-bw.htm, 15-10-2016. Telefonate und e-Mailkorrespondenz Jens Rönnau mit Frauke Wehberg, Claudia Anton-Siegle und Antonia Anton am 21. und 22.10.2016.

Text/Fotos Jens Rönnau