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Kunstaktion mit Kindern: Ein kreativer Ausflug an den Strand

Die Sehnsucht nach Dingen, die wir vermissen – wie Kulturangebote in allen Bereichen – wird in manchen von uns immer größer. Kinder, die in der Umgebung kulturbewusster Erwachsener groß werden, vermissen dies ebenso schmerzlich.

Text und Fotos von Susanne Lyon

Foto: Zeit für Experimente: großer oder lieber kleinere Steine? Farbig oder schwarzweiß? © Susanne Lyon

Eine der Möglichkeiten, sich unter den gegebenen Umständen Ablenkung zu verschaffen, ist die Natur. Sie zu genießen steht allen offen. Warum also nicht beides verbinden? So kam ich auf die Idee, mit den drei Kindern einer befreundeten Familie einen Ausflug zum Meer unter dem Motto „Kunst vor Ort“ zu gestalten. Ich erklärte meinen drei Künstlerinnen das Ziel des Projekts so: Wir würden Steine am Strand bemalen. Diese sollten nach ihrer Verschönerung dort verbleiben – zur Freude und Belustigung der Passanten.

Bei der Planung der Aktion achtete ich darauf, dass „unsere Kunst vor Ort“ nicht dauerhaft bleiben und die Steine durch Umwelteinflüsse nach und nach ihr natürliches Äußeres zurückerhalten würden. Zum Einsatz sollten daher nur umweltverträgliche und wasserlösliche Farben kommen.

Am Ausflugstag packte ich die Mädels im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren ins Auto – mit allem, was so dazugehört: Picknick, Strandmuschel, Malfarben, Kleider zum Wechseln. Mein Hund Chaplin war auch mit von der Partie.

Beim Abschied meinte die Mutter der Geschwister noch: „Oh, wer soll das denn alles schleppen?“ Ich antwortete: „Kinderarbeit!“ – und wir mussten alle lachen. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht ahnen, dass sich der Rückweg viel schwieriger als der Hinweg gestalten sollte...
Das schöne Wetter gab uns Auftrieb. Der erste Blick über das Wasser zeigte mir, dass es sich lohnt, sich öfter auf den Weg ans Meer zu machen. Von Stormarn aus ist es doch gar nicht weit.

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Autorin Susanne Lyon (M.) hat die Kunstaktion geplant © Susanne Lyon

Mädchen lässt sich vom Farbenspiel der Natur inspirieren

Unser Ziel war das Brodtener Steilufer, ein etwa vier Kilometer langer Küstenstreifen, der von den Ostseebädern Niendorf (liegt in der Gemeinde Timmendorfer Strand) und Travemünde begrenzt wird. Dort angekommen, mussten wir nicht einmal die Strandmuschel aufbauen, denn es herrschte nahezu Windstille. Die Mädchen waren fasziniert von der Landschaft und sprangen wie junge Fohlen in alle Richtungen zur Erkundung der Gegend und um den richtigen Mal-Stein oder -Felsen für sich zu finden. Mein Hund Chaplin folgte und störte mal die eine, mal die andere bei der Suche. Er stibitzte ihnen die kleinen Steine, die sie interessant fanden, oder legte sich direkt darauf, nur um die Aufmerksamkeit der Mädchen zu erlangen.

Die älteste Künstlerin dieses Teams konnte sich ganz und gar auf unser Projekt einlassen. Sie tauchte tief ein in das changierende Farbenspiel von Braun zu Blau, wie es sich uns an diesem Tag darbot. Sie fand ihren Felsen schnell und begann konzentriert zu arbeiten. Dabei lief sie immer wieder zum Ufer und beobachtete minutenlang die Wellen.

Sechsjährige begibt sich auf die Suche nach dem perfekten Stein

Die Jüngste wusste von Anfang an, dass sie eine Seeschlange malen wollte und suchte dafür den perfekten Stein. Das dauerte so eine gute Stunde. Immer wieder angelte sie sich ziemlich große Gesteinsbrocken aus dem Wasser, die sie trocknen ließ – aber in trockenem Zustand waren viele für sie nicht mehr so interessant, also weg damit!

Als sie dann ihren doch recht schweren perfekten Stein gefunden hatte, ging’s auch gleich ans Malen. Noch während sie malte, verliebte sie sich so sehr in ihr Werkstück, dass sie uns mitteilte, diese arme (!) Schlange nicht am Strand zurücklassen zu können. Das klang nach einer recht schweren körperlichen Herausforderung: Vom Wasser zum Strand waren es ja nur fünf Meter, zum Auto jedoch war es bestimmt mehr als ein halber Kilometer.

Eine einfache Lösung des Problems war nicht in Sicht. Das Dilemma der Jüngsten führte dazu, dass die Dritte im Bunde sich überlegte, wie sie mit ihrem Kunstwerk verfahren wollte. Im Leben dieser Zehnjährigen ist alles bunt, Langeweile gibt es nicht und Probleme sind dazu da, um gelöst zu werden. Sie sagt zwar von sich selbst, dass sie nicht malen kann, aber sie hatte trotzdem Spaß. So entstand ein bunter Felsen mit drei darin enthaltenen kleinen Detail-Steinen – zum Mitnehmen als Erinnerung. Eine gute Lösung und schön dazu.

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Etwa 30 Zentimeter Länge und schwerer als drei Kilo: Stein mit Seeschlange © Susanne Lyon

Viele Passanten bleiben stehen und begutachten die Werke

Der Ausflug wurde ein herrliches Vergnügen aus Picknick, Kunst und interessanten und netten Gesprächen mit Spaziergängern. Viele blieben stehen, schauten unsere Kunstwerke an und kommentierten unser Tun. Manche fotografierten unsere Werke mal mit, mal ohne Hund und wir hatten alle sehr viel Spass.

Der Heimweg mit dem schwerem Stein, den die Sechsjährige aus eigener Kraft zum Auto trug –  wir wollten helfen, aber sie wollte das nicht – war schon anstrengend. Aber wir legten viele Pausen ein. Und schafften es schließlich auch wohlbehalten zurück, die Seeschlange im Gepäck. Die kleine Künstlerin hatte es dank ihres starken Willens geschafft, das Begonnene zu Ende zu führen – Respekt! Sie lieferte aber auch eine gute Begründung dafür, dass sie ihr Kunstwerk unbedingt mit nach Hause hatte nehmen müssen: „Die Seeschlange sonnt sich jetzt in einem Blumenbeet in Bargteheide, dort wollte sie immer schon wohnen – viel besser als im kalten Meer.“

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